Das Wunder der Zeitentstehung

Das Leben ist eigentlich so eingerichtet, dass man alles im Alltag vertraute Geschehen als das Selbstverständlichste von der Welt empfindet, über das man sich eigentlich gar nicht mehr zu wundern hat. Die eigentlichen „speziellen Wundervorgänge“ sollen von daher nur dann anzunehmen sein, wenn man auf Vorgänge trifft, die den gewöhnlichen Erfahrungen und Naturgesetzen widersprechen. 

Nun hat man es aber im tatsächlichen Geschehen bei intensivem Nachdenken immer wieder auch mit Erscheinungsformen zu tun, die wie Wunder anmuten. D.h. Erscheinungsformen im tatsächlichen Geschehen, für die es alles in allem keine Erklärung gibt. Das einfachste Beispiel hierzu: Warum gibt es überhaupt etwas wahrnehmbar Vorhandenes? 

Alles wahrnehmbar Vorhandene zählt zum vertrauten Geschehen und hat insoweit nichts mit einem unerklärlichen Wunder zu tun. Und trotzdem bleibt hier die offene Frage, warum gibt es überhaupt alles das, was es auf diese Weise gibt? Es grenzt doch an ein Wunder, dass es überhaupt alles Daseiende für uns als etwas wahrnehmbar Vorhandenes gibt. Woher kommt es? Was ist die letzte Ursache dafür, dass derartiges überhaupt vorhanden ist? 

Mit dieser Fragestellung kann man selbstverständlich in den Bereich rein religiöser Vorstellungswelten abgleiten oder man kann hier weiterhin auch in ein ungehemmtes philosophisches Spekulieren hineingeraten – Denkbereiche, die oft nur all zu schnell alles tatsächlich reale Geschehen weit hinter sich lassen. Und das hat dann nichts mehr zu tun mit einem Wundern über tatsächlich vorhandene Daseinsgegebenheiten; so etwas soll hier jedoch nicht meine Sache sein.           

In diesem Sinn will ich mich im Folgenden mit solchen Erscheinungsformen des vertrauten Geschehens überhaupt beschäftigen, die bei intensivem Nachdenken wie Wunder anmuten. Hierzu zählt u.a. die Entstehung der Zeit. 

In mehreren Ausarbeitungen stelle ich die Behauptung auf, dass es bei allen faktisch vorkommenden Veränderungsvorgängen „Zeit“ im üblichen Sinn überhaupt nicht gibt. Alles faktische Veränderungs-Geschehen vollzieht sich nach meiner Auffassung stets nur in einer Abfolge von völlig „unausgedehnten Veränderungsschritten“, die niemals eine tatsächliche, faktisch wahrnehmbare Zeitspanne selbst erzeugen. Ich erkläre in meinen Ausarbeitungen das Zustandekommen von „Zeitwahrnehmung“ damit, dass wir in unserem Innern Außeneindrücke zu speichern vermögen. Speicherungen, die generell beliebig abrufbar sind, die sich lenken und steuern lassen. Ich beschreibe dabei die „Zeit“ als eine nur immateriell existierende Größe, die allerdings zusätzlich auch in den tatsächlich ablaufenden „Augenblicksveränderungen“ alles real Daseienden fest verankert ist. 

Diese Einschätzung zum Wesen der Zeit hat meines Wissens außer mir noch niemand sonst veröffentlicht. Um in diesem Punkt einigermaßen Gewissheit zu finden habe ich am 24. Januar 2011 eine Auslobung über 5.000,00 Euro betrieben; es soll dabei der Nachweis erbracht werden, dass es Zeit als eine faktisch real existierende Größe tatsächlich gibt (was ich bestreite!). 

Aber jetzt auch hier die Begegnung mit einem uns im Alltag nur allzu vertrauten Geschehen, das – so meine ich – bei intensivem Nachdenken wie ein Wunder anmuten muss: Das eigentliche Wunder der Zeitentstehung in der Form einer tatsächlich ganz real funktionierenden (wenn auch immateriellen) Größe.

Wenn alle meine Schlüsselerkenntnisse für diesen gesamten Bereich zutreffend sind ergibt sich die Frage also zu dem hier ganz real in Erscheinung tretenden Wunder: Wie vermag die stoffliche Materie in dem gesamten kosmischen Geschehen so ein Wunder wie das Zustandekommen von immateriell funktionierenden Zeitspannen überhaupt zustande zu bringen? 

Wir wissen inzwischen sehr viel darüber, welche Abläufe hier vor sich gegangen sind: Die Entstehung der Sterne nach einem ersten kosmischen (unerklärlichen) „Anfangsgeschehen“. Die Umwandlung dann auch von Sternenstaub zu Lebewesen, soweit der Sternenstaub in bestimmter geeigneter Anhäufung zusammen kam und geeignete Entwicklungsbedingungen vorfand. Wir wissen sehr viel über die dabei verfolgbaren Evolutionsschritte. Aber das eigentliche ganz real in Erscheinung tretende Wunder hier: Wie vollbrachte es die stoffliche Materie, in bestimmten molekularen Ansammlungen und Ballungen die üblichen unablässig ablaufenden Veränderungsvorgänge allen tatsächlichen Geschehens so zu speichern, dass daraus Eigensteuerungen entstehen konnten, die damit dann zu dem Zustandekommen von solchen immateriellen ausgedehnten Spannen führten, die wir „Zeit“ nennen? 

Die erfahrbaren realen Vorgänge im Daseinsgeschehen verdeutlichen uns: Es hat tatsächlich genau dieses Entwicklungsgeschehen in der Vergangenheit gegeben. Aber gerade das – meine ich – mutet wie ein Wunder an: Es kamen in den ersten organischen Lebewesen „Blockierungen“ im ansonsten konstant vorhandenen Daseinsgeschehen unablässiger Veränderungen zustande; erste, entscheidende Eigensteuerungen fanden dabei in dem molekularen Gefüge schon der ersten Lebewesen statt. 

In welchen einzelnen Schrittfolgen dieses „Wundergeschehen“ vor sich ging, das ist äußerst überschaubar nachzulesen bei Carsten Bresch Zwischenstufe Leben/Evolution ohne Ziel? - eine überaus eindrucksvolle Fundstelle, auf die ich in verschiedenen Ausarbeitungen immer wieder verweise (es geht hierbei um die Sachdaten, die unmittelbar vor und hinter dem Kapitel Evolution des Lebendigen zusammengetragen sind). Wer die volle Wucht all dieses Daseinsgeschehens auf sich einwirken lassen will sollte a.u. auf Richard Dawkins DER ENTZAUBERTE REGENBOGEN/Wissenschaft, Aberglaube und die Kraft der Phantasie (rororo 2002) zurückgreifen. Hier findet man in einer (wie ich meine) sogar reichlichen „Überfülle“ alles das an Sachmaterial vor zu dem gesamten Entwicklungsgeschehen, von dem hier gerade die Rede ist. (Eine Klarstellung zu meiner Einschätzung der großen Leistung, die Dawkins unbedingt beweist: Man muss Dawkins nicht in allen Denkschritten folgen, wie er sie in seinen Büchern entwickelt; die sehr realitätsnahen Aufarbeitungen, die wir hier vorfinden, sind für ein Überwinden völlig unhaltbarer „Geisteshaltungen“ außerordentlich wertvoll. Aber das „Gesamtkonzept“ hat im Kern doch empfindliche Schwachstellen. Und gerade auf diese Weise habe ich mich bereits mit DER GOTTESWAHN von Dawkins auseinandergesetzt; siehe www.kant-kosmos-reales.de, Orientierungsfalle ‚dogmatischer Atheismus’   in der Rubrik   Religion/’Die Welt des Göttlichen’.) 

Jetzt zu allem die Frage: Welche Umstände genau sollten bei der so zustande gekommenen Zeitentstehung wie ein „unbegreifliches Wunder“ aufgefasst werden können? Das „unbegreifliche Wunder“ - es ist einfach die völlig unerklärliche Befähigung der rein stofflichen Materie, in geeigneter Zusammensetzung aus einem ständigen Ablaufgeschehen fortwährender Veränderungen, die keinen Stillstand kennen, überwechseln zu können in solche Selbststeuerungen, bei denen die unterschiedlichsten „ausgedehnten“ Spannen von möglichen Veränderungen in tatsächlich miteinander andauernd haltbare Beziehungen geraten. Es kommen hierbei keine zusätzlichen „irgendwie vitalistischen“ Kräfte ins Spiel. Sondern nichts anderes als die rein stoffliche Materie selbst vollbringt (nach der Umwandlung in Organisches) diese eigentlich unbegreiflichen Steuerungsvorgänge. Was ab da im Daseinsgeschehen vor sich  geht lässt sich in den zugrundeliegenden einzelnen Funktionsweisen nur mit Rückgriff auf die Systematik der Kybernetik beschreiben: Es sind Steuerungsvorgänge, die über rein mechanische Abläufe weit hinausreichen und die sich nur mit dem Vorhandensein einer immateriellen Realität annähernd typisieren lassen. 

Denn das Erstaunliche bei diesem Zustandekommen von „Zeitentstehung“ durch überhaupt erste „organische Lebewesen“ ist doch, dass damit die gesamte Fortentwicklung aller Befähigungen jedes Lebewesens überhaupt einsetzte. Auf einer höheren Entwicklungsstufe erreichten die Lebewesen dann ihre eigenen Zeitsteuerungen, sie gewannen das Vermögen zu umfassenden Empfindungen, sie vermochten es, die erstaunlichsten Denkleistungen zustande zu bringen. (An dieser Stelle der Hinweis auf meine Ausarbeitung Eine Entdeckungsreise zu den letzten Daseinselementen, www.kant-kosmos-reales.de - in der Rurik Kosmologisches ...; hier finden sich die Ausarbeitungen zu einer weiteren von mir entwickelten Theorie: „... Stoffliches ist... nicht irgendein ‚Hilfsstoff’, der durch eine Motorik im tierischen Körper wie ein bloßes Zubehör in Funktion gehalten wird. Sondern das Stoffliche entwickelt voll die antreibende Motorik im tierischen Körper, wenn es dem tierischen Körper ‚einverleibt’ wird... Kurz: Alles das, was an körperlichen Leistungen überhaupt vorzufinden ist, kommt durch das Wirkungsvermögen des Stofflichen selbst zustande... .) 

Und das überhaupt Erstaunlichste in diesem Gesamtzusammenhang ist dann doch die dabei erreichte letzte Entwicklungsstufe: Der Mensch. 

Mit einer einzigen Ausnahme verfügt der Mensch generell auch über all die Befähigungen, wie sie sich überhaupt nur bei den Lebewesen in Flora und Fauna entwickelt haben. Selbstverständlich gibt es in Flora und Fauna überaus unerreichbare Spezialisierungen, die sich von den Befähigungen des Menschen gewaltig unterscheiden. Aber alles in allem ist doch der Mensch – abgesehen von den überaus beeindruckenden Spezialisierungen im Bereich von Fauna und Flora - „rein stofflich“ genauso beschaffen wie jedes andere Lebewesen auch. 

Der Mensch hat gegenüber allen sonstigen Lebewesen bei den Errungenschaften, wie sie im Organischen überhaupt nur vorkommen, zusätzlich die weitere herausragende Befähigung entwickelt: Mit der generell verfügbaren Eigensteuerung, wie sie mehr oder weniger stark ausgeprägt bei allen Lebewesen anzutreffen ist, hat der Mensch die innere Eigensteuerung dahin fortentwickelt, dass nicht mehr nur eine „ständige Verknüpfung/Verankerung“ mit dem tatsächlich ablaufenden äußeren Veränderungsgeschehen stattfindet. Sondern der Mensch ist zu einem Denken in völliger Eigensteuerung fähig. Völlig eigene Reflexionen sind möglich zu allem, was im Wege der „immateriellen Zeitspeicherung“ an molekularen Ansammlungen im eigenen Inneren angehäuft wird. 

Ich entwerfe hier sozusagen den großen Rahmen, in dem sich nach meiner Auffassung die gesamte Daseinsentwicklung abgespielt hat. Wenn es dann darum geht, dieses „Denkmodell“ inhaltlich aufzufüllen mit allem, was sich vor diesem großen Hintergrund als Entfaltungsreichtum herausgebildet und bewährt hat, dann sollte das so wenig wie möglich in nur spekulativen Fantastereien erfolgen. Sondern jedes weitere Suchen, Forschen, „Für-möglich-Halten“ sollte - wie ich meine – immer in den Grenzen eines begründet vertretbaren Realitätsverständnisses vor sich gehen. Denn sobald hier die Denkfähigkeit des Menschen ziemlich unkontrolliert dahin ausufert, in völlig ungesicherte Spekulationen abzugleiten, erleidet jede mit Vernunft in bester Absicht eingesetzte Erkenntnisfähigkeit völligen Schiffbruch.   

Wenn dagegen allerdings die Erkenntnisfähigkeit, über die der Mensch generell verfügt, auf diese Weise bis zum Äußersten auf die Probe gestellt wird, dann ist eine unausbleibliche Folge davon  natürlich schicksalhaft, dass jeder Einzelne „zeitlos“ stets wieder vor den „letzten unauflösbaren Fragen“ steht. Je nach dem Stand des Wissensschatzes, der sich in der gesamten Menschheitsentwicklung jeweils gerade angehäuft hat, müssen die Versuche von auch hier noch denkbaren „Beantwortungs-Möglichkeiten“ zwangsläufig sehr unterschiedlich ausfallen: Bei einem sehr geringen Wissen über die tatsächlichen Wirklichkeitsbedingungen gibt es immer sehr verbreitet die Neigung, sich alle überhaupt nur denkbaren Zusammenhänge in völlig ausufernden Spekulationen oder auch in  eigentlich völlig haltlosen Glaubensvorstellungen auszumalen.  

Mit dem heutigen Wissenstand als ein immerhin erreichtes hohes Kulturgut der Menschheit werden jedoch jeder allzu spekulativ angesetzten Wirklichkeitssicht, jeder allzu haltlosen  Glaubensvorstellung unüberwindbare Grenzen gesetzt: Wenn die Wahrheit von Denkvorstellungen und Glaubensinhalten ganz einfach daran zu messen ist, inwieweit sich hier alle in menschlichen Hirnen entstandene „Fantasieprodukte“ überhaupt noch mit den tatsächlichen Daseinsbedingungen vereinbaren lassen, dann ist jedes allzu spekulativ erschaffene „Denkmodell“ von vornherein fragwürdig, vieles an überkommenen Glaubensinhalten muss dann als völlig unhaltbar gewertet werden. 

Auf welche Weise man sich dann trotz allem noch sehr begründet und vertretbar auch nach dem heutigen Stand der Wissenschaft immer noch mit „den letzten Fragen“ auseinandersetzen kann, damit werde ich mich in der Ausarbeitung „Über die Sinnhaftigkeit alles Wundersamen“ beschäftigen.

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