Zeitmess-Ereignisse können für sich selbst allein niemals Zeit erzeugen, nur der Mensch erschafft Zeit

In meinen Ausarbeitungen u.a. Enträtselung der geheimnisvollen Zeit begründe ich die von mir vertretene These, wonach es in der „materiellen Wirklichkeit“ Zeit unmöglich gibt; in der materiellen Wirklichkeit findet nur ein unablässiges Veränderungsgeschehen statt ohne jeden „zeitlichen Stillstand“, ohne jede „zeitliche Ausdehnung“. Zeit entsteht ausschließlich durch „Rückkopplungsvorgänge“ in dem organischen Naturgeschehen.

Ich will mich im Folgenden mit einem möglichen Einwand beschäftigen, der die von mir vertretene These zu widerlegen scheint. Es ist der denkbare Einwand: Es gibt doch in der Natur (ob nun schon Organisches entstanden ist oder auch nicht) immer auch „Zeitabläufe“. Z.B. die radioaktiven Vorgänge mit konstant ablaufenden Halbwertzeiten. Da haben wir doch ein konkret vorhandenes Zeitgeschehen – unabhängig davon, ob es wahrgenommen wird oder nicht.

Ich beginne hierzu mit einem ersten Klärungsversuch zu meiner Einschätzung „zeitliches Ausdehnungs-Geschehen kommt in der stofflichen Realität empirisch nachweisbar niemals vor“: Der Mensch weiß selbstverständlich, dass z.B. mit der radioaktiven Halbwertzeit Zeitmessungen, Zeitbestimmungen möglich sind; das „verführt“ natürlich auch zu der Einschätzung - folglich finden wir damit doch in den „materiellen Abläufen der Natur“ unbedingt auch ein eigenständiges Zeitgeschehen vor.

Aber hierzu jetzt einfach nur die Gegenfrage: Weiß die „stoffliche Materie“ das auch?         

Die Materie vollbringt ihre jeweilige Wirksamkeit aus ihrer eigenen inneren Antriebs-Dynamik. Materie kennt keinen echten Stillstand („echter Stillstand“ hätte Ewigkeitsdauer; daraus folgt: im Gesamtgetriebe muss alles materiell Existierende unausweichlich an allem Veränderungsgeschehen teilhaben). Materie erreicht unablässig einen jeweils neuen Veränderungszustand, sie selbst weiß niemals(!), was vorher war, sie weiß niemals(!), was als nächstes kommt. Materie selbst hat kein „Gedächtnis“ für eine Zeitspeicherung. Das materielle Geschehen verhält sich wie ein kompliziertes Uhrwerk ungeheuren Ausmaßes. Kein Uhrwerk „weiß“ für das eigene Getriebegeschehen, welche Zeitbestimmung sich hier im Einzelnen aus ihrer Betriebsamkeit ableiten lässt. Hier geschieht faktisch immer nur dies: Auf jeden erreichten „Bewegungszustand“ muss unabänderlich ein nächster, neuer Bewegungszustand folgen. Und alle vergangenen Bewegungszustände sind dann einfach nicht mehr existent, sie sind „materiell“ in keiner Weise noch irgendwie konserviert. Es gibt sie nicht mehr!

D.h.: Dass der Mensch die sehr gut erprobten Zeitmess-Verfahren entwickelt hat - diese einwandfrei gegebene Sachlage darf nie zu dem Trugschluss führen, es würde damit auch die „Zeit“ selbst zu einer eigenständigen materiellen Wirklichkeit gelangen; vielmehr geschieht hier „andauernd“ eine fortwährende Realisierung immateriellen Geschehens. In meiner Ausarbeitung Immaterielle Beschaffenheit der Zeit, vergleichbar der Computer-Software habe ich (wie ich meine sehr augenfällig und unwiderlegbar) entwickelt, dass in unserer Daseinswirklichkeit auch immateriell Reales existent ist. Das „immateriell Reale“ als ein fester und „überall“ auffindbarer Bestandteil des gesamten Wirklichkeitsgeschehens hat seine ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten: Es ist zwar in materiellen Gegebenheiten verankert, hat für sich selbst keine tatsächliche materielle Realität und kann daher auch nur bedingt mit den Gesetzmäßigkeiten des „rein Materiellen“ in Einklang gebracht werden. (Die letzten elementaren materiellen Vorgänge sind unserem generell „immateriell gesteuerten Verstehen“ nicht zugänglich – behaupte ich nach allem.)

Unsere Zeit-Wahrnehmung selbst ist ein immaterielles Geschehen - eingebettet in materiellen Vorgängen, die in ihrer ganz eigenen Gesetzmäßigkeit ablaufen völlig unabhängig davon, ob sie auch wahrgenommen werden oder nicht.

Um diese Sachzusammenhänge konkreter zu verdeutlichen ließe sich z.B. die „C 14-Zeitmessmethode“ („Radiocarbon-Methode“) anführen (siehe Fußnote): Es findet hierbei ein Berechnen der jeweiligen „gewesenen Veränderungsabfolgen“ statt; was auch immer hier in der Vergangenheit vor sich ging – es war stets nur „das unablässige Veränderungsgeschehen“, in dem alles Daseiende tatsächlich nur existent ist.

Die hier einzig entscheidende Frage dann aber doch: Dieses dabei jeweils unablässig stattfindende „Augenblicks-Veränderungsgeschehen“ – gewinnt gerade eben dieses „Augenblicksgeschehen“ allein dadurch, dass sich hierzu zuverlässige Zeitmess-Berechnungen anstellen lassen, selbst auch eine entsprechende „zeitliche Dehnung“? Und genau diese Frage erweitert auf überhaupt jede der „Zeitraumrechnungen“, die wir kennen: Die Zeitspannen geschichtlicher Ereignisse z.B. oder auch die „gewaltigen Zeiträume“ des gewesenen Dinosaurier-Erdenlebens usw. – alles in äußerster Exaktheit als ein umfassender Wissensschatz zum Kulturgut der Menschheit geworden. Aber führen damit die „in unserer immateriellen Vorstellungswelt“ sehr sorgfältig rekonstruierten Zeitabläufe zugleich auch zu einer echten, tatsächlich wahrnehmbaren „Wiederauferstehung“ alles tatsächlich früher einmal Gewesenen?                 

Man hat es mit einer folgenschweren Denkfalle zu tun, wenn hier jetzt üblicher Weise die „materielle Realität“ mit „erdachten immateriellen Wirklichkeitsvorstellungen“ verwechselt wird: Wer die „nur erdachte immaterielle Wirklichkeit als die tatsächlich „empirisch, faktisch vorfindbare Wirklichkeit“ einschätzt  unterliegt einem folgenschweren Denkfehler. Der Mensch bewegt sich mit seinem Denken vor allem in einer „immateriellen Wirklichkeit“, allein von dieser Blickrichtung her entwickelt er zusammenhängende Schlussfolgerungen über den „Bau der Welt“. Auch diese „immaterielle Wirklichkeit“ ist eine Daseins-Realität – aber unmöglich kann der Nachweis erbracht werden, dass alles, was hier auch immer in „immateriellen Vorstellungswelten“ entwickelt sein mag, mit den faktischen Gegebenheiten der realen, „empirisch“ vorhandenen Wirklichkeit übereinstimmt. Es mag bei den Forschungsbemühungen in einer letztlich doch nur  „immaterielle Wirklichkeit“ auch noch so ausgeklügelt vorgegangen werden, eine tatsächliche Übereinstimmung mit allen faktisch stattfindenden Geschehnissen des Daseins lässt sich unmöglich erreichen. In meiner Ausarbeitung „Was Einstein nicht zu Ende dachte“ gehe ich hierzu auf die näheren Einzelheiten ein.   

Fußnote      

Das radioaktive Kohlenstoff-Isotop C 14 ist dauerhaft in der Erdatmosphäre in einer Art Fließgleichgewicht vorhanden. Als ein radioaktives Element zerfällt es unaufhörlich mit einer Halbwertszeit von 5730 Jahren. Aber in dem gleichen Ausmaß, wie es fortwährend zerfällt, wird es unablässig in der Atmosphäre wieder „aufgefüllt“ durch Umwandlung des Stickstoff-Isotops N 14 zu dem Kohlenstoff-Isotop C 14 unter Einwirkung der kosmischen Strahlung. „Kohlenstoff C 14“ ist einer der vielen Baustoffe auch allen organischen Lebens. Wenn jetzt jedoch ein „organisches Lebewesen“ abstirbt und so zu „toter Materie“ wird, gibt es kein „Fließgleichgewicht“ mehr. Das jetzt mit „toter Materie“ verbundene „C 14“ zerfällt isoliert ab jetzt entsprechend seiner Halbwertszeit ohne weiterhin durch „kosmische Neubildung“ wieder aufgefüllt zu werden. Das ist die Voraussetzung dafür, dass wir das Alter von abgestorbenen Baumstämmen, Knochen usw. über „ungeheure“ Zeiträume außerordentlich exakt zu errechnen vermögen.

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